Arno Geiger erhält den Joseph-Breitbach-Preis 2018 // 26.04.2018 18:11


Die Jury zeichnet Arno Geiger für sein literarisches Gesamtwerk aus und hebt besonders sein jüngstes Buch ›Unter der Drachenwand‹ hervor. Darin begegnen sich 1944 am Mondsee »als Treibgut des Weltkrieges ein in Russland verwundeter Soldat, eine Wiener Lehrerin mit ihren aufs Land verschickten Mädchen und eine dem Untergang von Darmstadt entgangene junge Mutter mit ihrem Baby und verharren in einer Art Zeitstillstand vor dem Untergang der Welt. Ganz auf den Augenblick und seine Erfordernisse konzentriert, könnte es dem Einzelnen wie seiner Umgebung gelingen, in der Katastrophe den jeweils nächsten Moment zu überleben.« 

Für die Jury hat »Arno Geigers Meisterschaft der Anverwandlung – bewährt schon bei der Rückgewinnung einer ganzen Epoche in ›Es geht uns gut‹ und in der Reflexion des eigenen Bewusstseins über das fremdgewordene in ›Der alte König in seinem Exil‹ – jetzt in dieser seismographischen Nachzeichnung der letzten Phase des Dritten Reichs und seiner Selbstzerstörung einen neuen Höhepunkt erreicht.«

Der Preis ist mit 50.000 € dotiert. Die Verleihung findet am 28. September 2018 im Theater Koblenz statt. Die Laudatio hält der Kritiker und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Franz Haas.

Für seine Romane wurde Arno Geiger mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Vorarlberger Literaturstipendium (1999), dem Deutschen Buchpreis (2005), dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2011), dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2011), dem Literaturpreis der österreichischen Industrie (2012) und dem Alemannischen Literaturpreis (2017).

Arno Geiger, 1968 in Bregenz geboren, lebt in Wolfurt (Vorarlberg) und Wien. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Von 1986 bis 2002 arbeitete er als Videotechniker bei den Bregenzer Festspielen, seit 1993 lebt er als freier Schriftsteller in Wien.

Veröffentlichungen (Auswahl)?›Kleine Schule des Karussellfahrens‹ (1997), ›Schöne Freunde‹ (2002), ›Es geht uns gut‹ (2005), ›Anna nicht vergessen. Erzählungen‹ (2007), ›Alles über Sally‹ (2011), ›Der alte König in seinem Exil‹ (2011), ›Unter der Drachenwand‹ (2018)

Bisherige Preisträger
Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer (1998); Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkowski (1999); Ilse Aichinger, W.G. Sebald, Markus Werner (2000); Thomas Hürlimann, Ingo Schulze, Dieter Wellershoff (2001); Elazar Benyoëtz, Erika Burkart, Robert Menasse (2002); Christoph Meckel, Herta Müller, Harald Weinrich (2003); Raoul Schrott (2004); Georges-Arthur Goldschmidt (2005); Wulf Kirsten (2006); Friedrich Christian Delius (2007); Marcel Beyer (2008); Ursula Krechel (2009); Michael Krüger (2010); Hans Joachim Schädlich (2011); Kurt Flasch (2012); Jenny Erpenbeck (2013); Navid Kermani (2014); Thomas Lehr (2015); Reiner Stach (2016); Dea Loher (2017)