Fehlalarm bei Rock am Ring wurde teuer // 07.06.2016 22:23

Vallendar/Mendig: Des war wohl der bizarrste Polizeieinsatz in der langjährigen Geschichte von Rock am Ring. Dabei ärgerte sich eine 61 jährige Frau aus Vallendar im Jahr 2015, über den Lärm, der angeblich von dem Musikfestival herrühren sollte. Also wählte sie den Polizeinotruf und erfand eine wirre und dubiose Geschichte. Damit löste sie einen Einsatz von 36 Polizisten aus. Erst jetzt teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei auf gezielte Anfrage unserer Zeitung mit: Die Frau musste den falschen Alarm bezahlen. 

Dieser Einsatz kostet insgesamt 4469,88 Euro und dieser wurde auch schon von der Frau bezahlt. Im allerschlimmsten Fall hätte die Frau auch gut 20 000 Euro bezahlen müssen.

Es war Sonntag der 7. Juni 2015 um 2.22 Uhr: In Mendig auf dem Festivalgelände singt gerade Rapper Marsimoto und Zehntausende von Fans tanzen vor der Bühne. Zu dieser Zeit greift die Frau in ungefähr 25 Kilometer Luftlinie entfernten Vallendar zum Telefon. Die wählte den Notruf und erzählte einem Beamten die erfundene Geschichte, dass ihr Nachbar zur Gegenwehr gegen diesen Lärm greifen wolle. Er sei nun bewaffnet und auf dem Weg nach Mendig.

Gegen die Frau wurde durch das Amtsgericht einen Strafbefehl. Sie wurde wegen Missbrauch von Notrufen zu 50 Tagessätzen also 2500 Euro Strafe verurteilt. Auch die Polizei stelle der Frau noch weitere 1969,88 Euro in Rechnung. Diese Rechnung setzt sich im einzelnen zusammen:
36 Beamte mit 37 Einsatzstunden zu je 52 Euro also insgesamt 1924 Euro
148 gefahrene Kilometer von jeweils 0,31 Euro also insgesamt 45,88 Euro
Dabei orientierte sich die Polizei an der Landesverordnung. Hier wurde festgelegt, das für einen ungerechtfertigt ausgelösten Einsatz der Polizei zwischen 25 und 20 000 Euro betragen kann. 

Wie es zum Großeinsatz kam:
Zwar hat die Anruferin ihren Namen in jener Juninacht verschwiegen. Allerdings lässt diese sich in ein langes Gespräch vermitteln, das nach unseren Informationen eineinhalb Stunden dauerte. Dabei nimmt die Polizei die Frau sehr ernst, ermittelt aber gleichzeitig, über deren Rufnummer den Namen und leitet direkt eine Großfahndung ein. Diese Ermittlungen ergeben, dass zwei Nachbarn dieser Frau tatsächlich Waffen besitzen. Danach fährt eine Streife zu diesen Nachbarn und klingelt. Der eine öffnet, hat allerdings auch nichts mit der Sache zu tun. Der andere Nachbar ist nicht da, ebenfalls ein Wagen auch nicht. Danach können die Polizisten nicht ausschließen, dass dieser Nachbar sich auf dem Weg nach Mendig befindet. Diese fahren nun unverzüglich dorthin und veranlassen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen beim Festival. 

Etwas später kommt dann die Entwarnung. Der Polizei ist es zwischenzeitlich gelungen, den zweiten Nachbarn über sein Handy zu erreichen. In diesem Gespräch erfährt die Polizei nun, das der Nachbar sich in einem anderen Bundesland aufhält. Jetzt räumte die Anruferin ein, dass sie sich die Geschichte nur ausgedacht hat. Sie wollte ein Zeichen gegen den Lärm durch das Festival setzten. Dabei wusste die Anruferin nicht, dass ihre Nachbarn wirklich Schusswaffen besitzen. 

An diesem Festivalwochenende 2015 gingen beim Ordnungsamt Koblenz 22 Beschwerden ein, in der gesamten Region waren es insgesamt 80 Beschwerden. Dabei erklärte ein Meteorologe unserer Zeitung, dass Rock am Ring 2015 in Koblenz zu hören war, lag an einer Inversionswetterlage. Diese könnte dafür gesorgt haben, das die Musik aus Mendig weiter als 20 Kilometer weit getragen wurde. Der Veranstalter des Festivals Marek Lieberberg widersprach vehement und bezeichnete dies mehr als unwahrscheinlich. 

Dabei gab es beim Lärmschutzkonzept für Rock am Ring keine wesentlichen Veränderungen, wie dies die Verbandsgemeinde Mendig mitteilte. Selbstverständlich wird es wie auch schon im Jahr 2015 Lärmmessungen geben. Hierbei liegt der Veranstaltung eine sogenannte Immissionsprognose zugrunde. Die VG-Verwaltung teilte mit: " Anhand von dieser Prognose werden von uns im Vorfeld mehrere Messpunkte definiert." Davon sind ein Teil dieser Messpunkte feste Punkte. Überdies gibt es noch zusätzliche Messpunkte, wo durch mobile Teams regelmäßige Messungen stattfinden. Um sicherzustellen das die Lärmrichtwerte auch eingehalten werden, erfolgt laut VG schon beim sogenannten Soundcheck eine Einpegelung aller vorhandenen Anlagen.