Kunden der Sparkasse Koblenz sollen bald mehr für ihr Girokonto bezahlen // 07.06.2016 19:58

Erhöhung der Gebühren: Kunden der Sparkasse Koblenz sollen bald mehr für ihr Girokonto bezahlen

Koblenz. Ab dem 1. August werden die Kontoführungsgebühren für Kunden der Koblenzer Sparkasse steigen. Darüber informiert die Sparkasse derzeit ihre Kunden schriftlich Offenbar sind die Schreiben jedoch häufig nicht eindeutig formuliert.

Aktuell bietet die Koblenzer Sparkasse neun Kontenmodelle an. Ab dem 1. August wird es für die derzeit etwa 100.000 Kunden nur noch drei Konten geben. Auch die Gebühren für diese werden andere sein als die bisher erhobenen. Jörg Karbach, der Sprecher der Sparkasse hat bereits Stellung dazu genommen und bestätigt, dass "alle ... Kunden mit einer entsprechenden Wechselempfehlung" angeschrieben wurden. Diese Schreiben scheinen bei den Kunden jedoch viele Fragen offen zu lassen. Nicht umsonst melden sich derzeit wesentlich mehr Kunden als sonst telefonisch bei der Koblenzer Sparkasse und bitten um Erläuterungen.

Alle Briefe haben die Formulierung "Wenn wir in den nächsten zwei Monaten nichts von Ihnen hören, gehen wir davon aus, dass Sie mit der Umstellung einverstanden sind" gemeinsam. Wie die Umstellung konkret aussehen wird, geht jedoch in den seltensten Fällen aus den Schreiben hervor. Die Formulierung an sich ist von rechtlicher Relevanz. So erkundigen sich nun die Kunden genauer, welcher Umstellung sie da zustimmen sollen. 

Aus den Briefen, in denen beispielsweise "Zukünftig werden wir Girokonto und Kreditkarte separat berechnen" oder "Ihr neues Konto Giro.Komfort bietet Ihnen ab 1. August volle Kostenkontrolle zum Pauschalpreis von 6,95 Euro im Monat" zu lesen ist, gehen aber keine konkreten Angaben hervor. Ob die Kosten für die Kontoführung steigen und wie viel die Kunden bisher zahlen, ist nicht zu lesen. Die Kosten sollen aber definitiv angehoben werden. Dies geht auch aus Sätzen wie "Wir bieten Ihnen jetzt ein modernisiertes Konto zu angepassten und fairen Konditionen" nicht hervor.

Wollen die Kunden weiterhin ein Girokonto bei der Koblenzer Sparkasse haben, müssen sie ihr Einverständnis zu den neuen Bedingungen wohl oder übel geben. Denn, so Karbach, "Können wir den Kunden nicht überzeugen, entfällt die notwendige Vertragsgrundlage zur Nutzung seines Girokontos." Der Grund dafür ist, dass ab August nur noch die neuen Kontenmodelle gelten sollen. "Seit mittlerweile zehn Jahren haben wir unsere Giropreise nicht erhöht" kommentiert der Sprecher und erklärt zudem, dass für viel Kunden keine Preissteigerung zu erwarten ist. Dazu zählen Kunden unter 25 und jene, die bereits jetzt ein "Alles-inklusive-Konto" haben. Dennoch: "Der überwiegende Teil unserer Kunden zahlt einen höheren Grundpreis. Diese Preissteigerung beträgt je nach bisherigem Kontomodell zwischen 90 Cent und 2,95 Euro im Monat."

Die Kommunikation mit den Kunden sei transparent und deutlich gewesen. Der Vorwurf der Preisverschleierung ist in Karbachs Augen daher haltlos. "Der weitaus größere Teil unserer Kunden kann die Veränderungen nachvollziehen. Wir möchten aber auch nicht verschweigen, dass es Kunden gibt, die ihren Unmut hierüber äußern und sich damit auch nicht einverstanden erklären." Aus den monatlichen Gebührenabrechnungen der Konten sowie den in den erwähnten Briefen an die Kunden fett gedruckten neuen Preisen ginge hervor, dass die Sparkasse Koblenz sehr wohl ihrer Informationspflicht an die Kunden im vollen Umfang nachgekommen sei. Alle offenen Fragen klärten die Kundenberater gern telefonisch oder auch persönlich. Dabei sei egal, ob es sich um grundsätzliche Verständnisfragen oder um Unklarheiten bezüglich der neuen Leistungen wie etwa der App handele. 

Die Gründe für die Anhebung der Gebühren liegen laut Karbach vor allem in der derzeitigen Niedrigzinsphase. Dadurch würden die Einnahmen der Sparkasse in Bereichen wie der Kreditvergabe sinken. Der Sprecher reicht die Verantwortung weiter: "Somit sind höhere Preise für Dienstleistungen in der gesamten Kreditwirtschaft auch eine Folge der verfehlten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank." Eine Anhebung der Gebühren für andere Produkte des Unternehmens sei allerdings nicht geplant. 

Damit bleibt den Kunden nur noch der Wechsel der Bank, wenn sie mit den Preissteigerungen der Sparkasse Koblenz nicht einverstanden sind. Wie lange diverse Banken wie die DKB ihre Versprechen bezüglich der Gebührenfreiheit für ihre Girokonten noch halten können, bleibt indes abzuwarten.

Die neuen Girokonten der Koblenzer Sparkasse im Überblick

Mit dem 1. August treten drei neue Kontenmodelle bei der Sparkasse Koblenz in Kraft. Die bisherigen neun Modelle werden von diesen abgelöst. Die Konten sind preislich und nach Leistung gestaffelt.

- "Giro Aktiv" zum monatlichen Grundpreis von 2,95 Euro bedeutet für die Kunden, dass für Zahlungseingänge sowie bei der Nutzung des SB-Terminals Einzelgebühren erhoben werden. Auch Dienstleistungen der Kassen in den Filialen sind kostenpflichtig.
- Wer "Giro Basis" wählt, muss ebenso 2,95 Euro monatlich zahlen. Die Einzelgebühren werden jedoch anders berechnet als beim ersten Modell. Kostenintensiver sind unter anderem Onlinebuchungen, während Transaktionen am SB-Terminal günstiger sind.
- Kunden, die "Giro Komfort" in Anspruch nehmen können von Begünstigungen profitieren: Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres ist das Konto kostenfrei, dann kostet es etwa 3,50 Euro im Monat. Ab 30 zahlt man den vollen Preis von 6,95 Euro monatlich. Bei diesem Konto werden keine Einzelgebühren für Transaktionen erhoben.